Als du Bruna, der Erdwichtelin, erzählst, wieviele Möhren noch da sind, wird ihr Lächeln breiter. Sie hält sie inne. Erst ein Atemzug. Dann macht sie einen zweiten Atemzug. Sie blinzelt.
“Bruna.”, beginnst du fragend, “Ist alles in Ordnung? Können wir vielleicht noch einmal wegen unserer Suche nach den Weihnachtskugeln reden? Hast du eine? Oder kennst du jemanden, der uns helfen kann?”
Ihre Augen werden nun erdig gefärbt, braun wie frische Walderde. Sie beginnen zu glänzen – und plötzlich treten ihr Tränen in die Augen, warm und froh, wie Morgentau im Sonnenlicht.
„Nun, ja, ich habe die Erd-Weihnachtskugel. Du hast gefragt, meinen Namen genannt und mein Problem gelöst – ehm – also ist sie dein. Meinen Glückwunsch. Macht das Beste daraus und findet nun auch die anderen Kugeln.“, spricht sie mit stockender Stimme und legt eine Hand auf dein Handgelenk, fest und sicher wie ein Wurzelgriff. „Du hast die Aufgabe nicht einfach nur erfüllt… du hast sie verstanden. Du hast meine Erd-Weihnachtskugel wahrlich verdient.“
Im Moment als Bruna diese Worte ausspricht verändert sich die Welt rings um das magische Erdbeet schlagartig und spürbar. Nicht langsam. Nicht schleichend.
Sondern unmittelbar wie eine tiefe Erde, die sich öffnet. Eine Verbindung zwischen euch entsteht. Dann bemerkt ihr ein kaum erkennbares Zittern im Boden des magischen Beetes – so fein und leise, dass es fast wie ein Herzschlag der Erde selbst wirkt. Dann hörst du ein sanftes Knacken – nicht laut, sondern wie kleine Wurzeln, die sich neugierig ausstrecken. Ein paar Erdkrümel wirbeln im Beet auf, doch nicht chaotisch:
Sie tanzen, kreisen sanft ineinander, als folgten sie einem uralten, tiefen Rhythmus.
Bruna sieht erstaunt auf ihre Hände, die nun in einem goldbraunen Glanz schimmern.
Mit einem leisen Summen – fast wie ein Brummen einer zufriedenen Erde – geht Bruna zu einem alten Erdwall der sich am Rande des Beetes direkt neben ihr auftut. Er wirkt wie eine normale Wand aus Lehm und Wurzelgeflecht, dunkel, krumm und alt. Doch Bruna weiß genau, wohin sie greifen muss. Sie schiebt eine dicke Wurzel im Erdwall zur Seite, die wie ein Griff wirkt, und hebt ein Stück festgebackene Erde ab. Sie hebt ein kleines Bündel hervor, eingehüllt in Wurzelfasern. Sofort dringt ein warmes, tiefes Leuchten daraus hervor, wie aus einem schlafenden Kohlenfeuer. Und als Bruna das Tuch öffnet, enthüllt sie ihre magische Erd-Weihnachtskugel, braungolden wie polierter Bernstein, durchzogen von feinen, leuchtenden Adern. Im Inneren sieht man winzige Wurzelstränge, die sich bewegen – ganz langsam, lebendig, wie atmende Linien. Ein Hauch Moos glimmt darin, und kleine goldene Erdpartikel schweben darin.
„Sie gehört dir“, sagt Bruna mit einem warmen, stolzen Nicken. In dem Moment, als du die Kugel siehst, schwebt ein feiner, goldbrauner Faden aus ihr hervor – ein leuchtender Erdstrang – und legt sich sanft an deine Brust.
„So“, murmelt Bruna schließlich und wischt sich die letzten Freudentränen ab.
„Dann hat auch mein Teil der Erde seinen Weg zu dir gefunden. Geht nach nebenan. Dort im Haus, werdet ihr die nächste Kugel finden.“
Und für einen Augenblick hast du das Gefühl, dass die Erde unter deinen Füßen lächelt.
Du gehst gemeinsam mit Lumo und Tomte durch den Schnee, hinüber zu dem geschwungenen Haus, das aussieht, als hätte jemand es in eine leicht pilzförmige Form gedrückt. Schon im Gehen bemerkt ihr es: Ein unruhiges Licht flackert hinter den Fenstern, mal hell, mal düster, als würde es selbst atmen.
„Da stimmt etwas nicht …“, murmelt Tomte und zuckt mit seinen runden Schultern.
Vorsichtig öffnet ihr die Tür. Der Raum liegt im Halbdunkel – warm, aber seltsam leer. Kein Wichtel, kein Geräusch. Fast komplette Stille – nur ein leiser Wind, der über die Dielen streicht und dabei hin und wieder eine hauchendes Geräusch erzeugt.
„Schaut mal da!“ Lumo zeigt fast schon hektisch auf die Rückseite des Hauses. Die Hintertür steht offen, einen Spalt nur, aber weit genug, dass die kalte Luft und ein Lichtschein ins Innere tanzen können.
Ihr tretet hinaus und geht um das Haus herum. Und dort, unter einer einsamen Laterne, die gelb und unruhig in die Winternacht leuchtet, seht ihr ihn: einen Wichtel in einer kleinen, orangefarbenen Arbeitsweste, mit einer Stirnlampe auf dem Kopf und einer Taschenlampe in der Hand. Er wirkt wie ein winziger Straßenarbeiter – konzentriert, mit der Stirn in Falten gelegt. Schritt für Schritt nähert ihr euch ihm.
„Ähm … entschuldige?“ fragst du vorsichtig. „Wie heißt du?“
Der Wichtel blinzelt, richtet sich auf und stößt ein kleines „Oh!“ aus, als hätte er euch gar nicht bemerkt.
„Ich? Ich heiße Bilbob“, sagt er schließlich. „Ich bin Bauarbeiter. Und Straßenbeleuchter. Und manchmal auch Laternendrahtentwirrer – aber darüber reden wir lieber nicht.“
Tomte lacht leise, doch Bilbob sieht wieder ernst aus. Sehr ernst. Seine Stirn legt sich wieder in Falten und zeugt von Überlegungen, die in Bilbobs Bauarbeiterhirn so zu rasseln scheinen, dass ihr fast das Gefühl habt, als könntet ihr die Arbeit seiner Gedanken hören.
„Ich habe gerade einen schwierigen Auftrag“, erklärt er und schaltet seine Stirnlampe auf eine gedämpfte Stufe. „Die Wichtelbürgermeisterin hat mir aufgetragen, den ganzen Dorfkern zu beleuchten. Jede Straße. Jede Kreuzung. Es soll hell sein, damit keiner mehr im Dunkeln stolpert oder in Schneehügel fällt.“
Er hebt mahnend einen Finger.
„Aber!“ Seine Stirnlampe blinkt kurz zur Betonung. „Ich soll sparsam sein. Möglichst wenige Laternen. Kein Funken mehr, als unbedingt nötig.“
Er deutet auf verschiedene Laternen, die auf dem Boden um ihn herum liegen: kleine, große, schmale, dicke.
„Seht ihr? Ich habe Laternen, die nur in eine Richtung leuchten. Dann welche, die zwei Richtungen schaffen. Und seltene, die drei Richtungen erhellen können. Aber welche ich wo aufstellen muss, damit das ganze Dorf hell ist…“ Er kratzt sich am Kopf. „Ihr merkt’s schon. Ich brauche Hilfe.“
Er zieht eine große, sorgfältig gefaltete Karte hervor. Als er sie entfaltet, erkennt ihr eine liebevoll gezeichnete Übersicht des Kerns des Wichteldorfes: Häuser, Wege, Kurven, Kreuzungen.

“Das muss aber noch alles fein mit den passenden mit Laternen-Symbolen markiert werden, damit ich den Plan der Bürgermeisterin geben und bald anfangen kann.”, erklärt Bilbob und sieht euch hoffnungsvoll an.
„Könnt ihr mir helfen?“ fragt er leise. „Alle Straßen sollen erleuchtet sein … aber ich darf wirklich nicht verschwenderisch sein. Ich habe auch nur 3 Lampen, die in drei Richtungen leuchten können. Von den anderen habe ich mehr als genug. Die zwei Ausfahrtsstraßen rechts am Plan und die beiden schmaleren links am Plan müssen aber auch beleuchtet werden.“
“Selbstverständlich helfen wir dir.”, ruft ihr alle drei und schon beugt ihr euch über den Plan.
Rätselaufgabe Nr. 13:
Dann schaut einmal, auf welchen Feldern ihr die Lampen plaziert?
Die Lampen können so gedreht werden, dass sie immer mit den Lichtkegeln waagerecht oder senkrecht scheinen. Sie passen immer genau auf ein Straßenfeld im Plan.
Das Feld auf dem sie stehen beleuchten sie immer! Zusätzlich beleuchten sie drei weitere Felder des Plans in der jeweiligen Beleuchtungsrichtung.
(a) Lampe 1 leuchtet vom Standpunkt aus 3 Felder in eine Richtung

(b) Lampe 2 leuchtet vom Standpunkt aus jeweile 3 Felder in zwei verschiedene Richtungen

(c) Lampe 3 leuchtet vom Standpunkt aus jeweile 3 Felder in drei verschiedene Richtungen

Als Punkte bekommt ihr 25 minus die Anzahl der Lampen, die ihr benötigt habt, um alle Straßen zu beleuchten.
Wie immer: Wenn ihr heute noch richtig antwortet erhaltet ihr einen Extrapunkt.
Hier nochmals der Straßenplan zum Download:
Tipp: Ihr müsst alle Straßen und Kreuzungen beleuchten aber nicht jedes Feld! Auf ein Feld, auf dem ein Haus steht, dürft ihr keine Lampe stellen.
Mailt uns eure Positionierung der Lampen und zeichnet ein in welche Richtung und wie weit sie jeweils leuchten (Linie reicht jeweils).
Sendet uns eure Antwort über “Des Rätsels Lösung”.
Gebt euer Team/euren Namen an und schreibt zudem in das Textfeld Rätselnummer “Lösung Rätsel 13”.
Denke daran, dass ihr euch erst mit deinem Benutzernamen einloggen müsst, bevor ihr ein Rätsel über den Menüpunkt “Des Rätsels Lösung” einsendet.

