25. Dezember – Wie die Geschichte endet …

Noch seid ihr gefangen, doch kaum legt ihr die letzte dreizehnte Weihnachtskugel auf die Wabe, da hört ihr die Stimme des Krampus noch einmal: “Betrug. Das ist nicht möglich.”

Die Schneekugel beginnt zu zittern und zu beben. Die Welt um euch herum ist klein geworden, eingeschlossen hinter kaltem, gewölbtem Glas. Schneeflocken wirbeln unaufhörlich durch die Luft, obwohl kein Wind zu spüren ist. Jeder Atemzug hallt seltsam gedämpft wider, als würde die Schneekugel selbst lauschen. Dann beginnt es zu donnern. Erst fern, tief und grollend – dann immer näher, lauter, bedrohlicher. Das Glas vibriert. Ein krachen fährt durch die Kugel, so stark, dass ihr das Gleichgewicht verliert.

Feine Risse ziehen sich über die Innenseite der Schneekugel. Sie verzweigen sich wie Blitze am Himmel, breiten sich aus, werden größer. Mit jedem weiteren Donnerschlag splittert das Glas weiter, bis es das Geräusch eines zerreißenden Winters selbst annimmt. Dann – ein letzter, ohrenbetäubender Knall.

Die Schneekugel zerbirst.

Für einen Atemzug herrscht völlige Stille. Dann spürt ihr kalte Luft auf eurer Haut. Schnee knirscht unter euren Füßen. Ihr steht im Freien, unter einem weiten, klaren Himmel – am Nordpol. Die Nacht ist hell vom Schnee, und über euch tanzen schwache Polarlichter.

Nicht weit entfernt, nur wenige hundert Meter, liegt das richtige Wichteldorf. Kleine Häuser mit schiefen Dächern, warmem Licht in den Fenstern und Rauch aus den Schornsteinen schmiegen sich in die Schneelandschaft. Glocken klingen, Türen öffnen sich – die Wichtel sind wieder daheim.

Neben euch steht der Weihnachtsmann. Groß, ruhig, mit einem Lächeln, das Erleichterung und Stolz zugleich trägt. Seine Stimme ist warm, als er euch gratuliert:
“Ihr seid der Falle des Krampus entkommen – einer List, die schon viele Reisende für immer gebunden hat. Ihre habt, meine Wichtel und das Weihnachtsfest gerettet. Danke. Die Wichtel haben endlich ihr wahres Zuhause zurück. Doch nun ist es auch bald Zeit für euch zu gehen. Weihnachten ist da. Ihr ward nur eine Nacht in der Kugel, doch die Zeit läuft in der Schneekugel anders und heute ist bereits Weihnachten. Ihr habt es gerade so geschafft.

Die Wichtel kommen herbeigeeilt. Sie lachen, rufen eure Namen, und schließlich umarmen sie dich – den Fremden voller Dankbarkeit. Lumo klammert sich an dich und drückt dich und deine Hand ungestühm., während Tomte euch mit glänzenden Augen zunickt. Für einen Moment fühlt es sich an, als sei alles gut. Als sei dies vielleicht das Ende der Reise.

Doch dann verändert sich die Luft.

Auf einem nahen Schneehügel beginnt etwas zu leuchten. Zuerst ist es nur ein Schimmer, dann formt sich daraus eine regenbogenfarbene Spirale. Sie dreht sich langsam, hypnotisch, ihre Farben fließen ineinander wie lebendiges Licht. Schnee hebt sich vom Boden, wird vom Sog erfasst und tanzt um die Spirale herum.

Du weißt instinktiv: Sie ist nicht zufällig hier. Dies ist dein Weg Heim.

Kaum hast du dich von Lumo, Tomte und dem Weihnachtsmann verabschiedet, hast ein letztes Mal in die vertrauten Gesichter der Wichtel geblickt, da packt dich eine unsichtbare Kraft. Der Boden verschwindet unter euren Füßen. Farben, Stimmen und Kälte verschmelzen zu einem einzigen Strudel. Die Welt zieht sich zusammen, dreht sich – Zeit selbst scheint den Halt zu verlieren.

Dann Stille.

Du steht wieder auf festem Boden. Warme, staubige Luft umgibt dich. Hohe Regale ragen auf, gefüllt mit alten Büchern. Holz knarrt leise. Da bist zu zurück in der alten Bücherei, genau dort, wo alles begonnen hat – neben dem Regal mit der Weihnachtskugel.

Sie steht still da, unscheinbar, als wäre sie niemals zerbrochen.
Als hätte sie nur gewartet.
Lächelnd nimmst du sie in die Hand.

“Du darfst sie gern behalten.” hörst du hinter dir die Stimme des Weihnachtsmannes, der in dem Sessel sitzt, in dem du zu Beginn den Sack hast liegen sehen. Er lächelt die zu.
“Gut gemacht. Die Zeitz in der Schneekugel hat dich verändert. Fahr Heim um feiere eine wunderschönes gesegnetes Weihnachtsfest. Du hast der Welt Weihnachten gesichert. Das ist mehr als du dir vorzustellen vermagst. Ach ja, -noch etwas. Dein Wagen ist schon lange repariert. Die Zeit hier ist vorangeschritten. Hole ihn ab und fahre Heim. Man wartet schon auf dich.”

Als du antworten willst ist der Weihnachtsmann bereits verschwunden. Also verlässt du den Antiquitätenladen und stapfst duch den Schne zur Werkstatt zurück.
Tatsächlich ist dein Wagen fertig und scheint besser als je zuvor.
Nachdem du deich bei Gernot dem Autmechaniker bedankt und ihn bezahlt hast, steigst du nachdenklich in deinen Wagen. Auf dem Beifahrersitz liegt eine wundersame Schneekugel.

Du gibst Gas – in Richtung Heimat – und schon bist du um die Ecke verschwunden.